„Und dann is er herausgetreten ... der ... der ... Poldl und hat die zwa andern Herrschaften bei der Hand genommen und mutig bekannt: 'Österreich ist frei!'". Da wusste ich, ich hatte es geschafft!“

Durch einen glücklichen Zufall kam ich ihn den Besitz von Freikarten für die Update-Foto Messe in Berlin. Als ich Axel während eines Fotoshootings mit Verena davon erzählte, nahm diese sogleich das Steuer in die Hand und organisierte uns ein verlängertes Wochenende in Berlin. Die folgenden Seiten werden versuchen dieser aufregende Zeit voller Glanz und Elend, Wiedervereinigung, Schläger und Polizeigewahrsam gerecht zu werden.
“I want us to be completely open
and say yes to everything,
even if it's shocking and painful.”
Donnerstag:

Check-In - Take-Off - Flug nach Berlin.
Wir lernen unseren Couch Host Johannes kennen. Wir befinden uns in Neukölln. Dem Berliner Viertel für das es eine Warnung vom Tourismuscenter gibt. Wir entscheiden uns gleich einmal dafür lästiges Sightseeing hinter uns zu bringen. Daher setzen wir uns mit einem Bier in die 100er Buslinien und fahren an allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Aus ungenannten Gründen steigen wir beim Reichstag aus. Irgendwann laufen wir dann dem Bus nach, verschütten dabei unser Bier auf unsere Sonntagskleider, nur um danach total verschwitzt und nach Bier stinkend in den Reihen zwischen den Touri-Pensionisten zu sitzen. Außerdem müssen wir mit Entsetzen feststellen, dass es in Berlin kein richtiges Bier gibt. Daher mein Tipp, vorhandenes Gewichtsreserven beim Flug mit Bierpaletten füllen. Das ist besser als Golddukaten einzuführen. Vor unserem Nachttrip waren wir noch in einem kleinen, türkischen Lokal. Ein Tipp unseres Gastgebers. Pizza für 2€. Ich bestelle, was die Nachbarn essen.

Am Abend gehen wir in ein stranges Lokal, welches ein eigenes Labyrinth besitzt. Lernen Kaschka kennen, die Freundin unseres Gastgebers. Diese Lokal besitzt außerdem eine Bühne und scheint sich im wesentlich parasitenhaft in das Haus eingenistet zu haben. Die Treppe in den Keller führt durch den durchbrochenen Fußboden. Die Pissoirs sind eigentlich Waschbecken und hängen genau 10 unglücklich Zentimeter zu hoch. Zum Glück haben wir unsere Fleischpeitschen mitgebracht. Am Abend besteht Verena darauf den Schlafsack zu teilen. Ich, als echter Gentleman und Arschloch, teile natürlich nicht.
Freitag:

Noch früh am morgen werden wir von Vreni mittels Wecker aus dem Bett getrickst. Am Kuhdamm essen wir beim Halree (Menü 10€) Doro. Axel & me marschieren zur Fotomesse. Auf dem Weg dorthin fotografieren wir zum ersten Mal. Verena hingegen treibt es ins Erotik Museum. Nach Stunden endlich ein glückliches Wiedersehen. Wir haben alles gesehen und mit schweren Taschen voller Beute geht es ins Vaganten-Theater zum „Herr Karl“. Spitze gespielt. Ich weiß bis heute nicht, ob Sprachentalent oder Österreicher. In der entstandenen Pause vorm Theater genießen wir Kaffee & Kuchen in einem Supermarkt unter der S-Bahn Unterführung. Paradiesische Ruhe. Nach dem Kulturausflug essen beim U-Bahn Thai. Mein Essen riecht nach Pisse. Aber besser den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt.

Die kommende Nacht gewährt uns einen Ausflug auf die Eröffnungsparty der Update in der Backfabrik in Prenzlberg. Gratis Trinken. Außerdem urleiwande Crepes. Die Auswahl geht von supersüß bis schwangersauer. Jeder bekommt, Rausch sei Dank, sein passendes Crepes.
Während der Party spielen wir ein Gesellschaftsspiel. Die Regeln gehen in etwas so: Zwei Personen entfernen sich von der Gruppe und suchen sich interessante Leute zum reden, kennenlernen und vielleicht mehr. Joe muss sitzen bleiben und wird von vorbeigehenden Schönheiten mit Rotwein überschüttet. Lustiges Detail am Rande: ähnlich wie ihn Wien kommen immer 2 Typen aus dem gleichen Klo.
Wir beschließen die Party mit unseren Hochstaplerschmäh Nummero Uno; „Wir sind Fotogafen“. Leider können wir danach keinen würdigen Abgang hinlegen, weil sich Petrus für strömenden Regen entschieden hat. Ich nutze die Gelegenheit eine halbe Stunde über Froschschenkel zu referenzieren. Meine Opfer ziehen danach den Regen vor. Anschließend auf andere Party bei Kaschka bis ~7Uhr. Ich kaufe mit Hannes bei Sonnenaufgang noch mehr Bier.
Samstag:

Aufgestanden um 14 Uhr. Frühstück im Café Kaffee CHAGALL. Gemeinsam im kalten Sonnenschein eine Frühstücksplatte genossen,. Danach Bummeln durch Schönhauserstraße. Ab ins Schwarzenberg Haus, ein autonomes Künstlerasylium. Erschöpft vom vielen herumwandern, bestellen wir uns alle nacheinander einen Chai-Tee. Die Kellnerin sieht sich einem Komplott ausgeliefert und verweigert uns beinahe unseren frommen Wunsch. Davor haben wir uns noch eine Ausstellung namens LOMAS angeschaut. Ich nutze einen unbeobachteten Moment, um ein Kunstwerk mit einem reingeschmuggelten Bierkorken zu pimpen. Danach schlendern über Alexanderplatz zur Spree.
Am Abend kocht Verena einen
vegetarischen Strudel für unseren Host. Wir sind ihre Bördsys und helfen ihr dabei. Es schmeckt es vorzüglich, der Genuss ist
überirdisch gut und Vibes der Dankbarkeit durchströmen den Raum!

Clubbing ist der nächste Punkt im Programm. Wir gehen ewig zu einem Club namens MARIA AM OSTBAHNHOF. Dort reden wir über unsere Kindheit und beschließen, dass 10 Euro zuviel für den Club sind. Also gehen wir mit 3 anderen Birdzys zum Cassiopeia. Die Börtzis entpuppen sich als Maden. Dennoch lieben sie Axel heiß und inning, der diese Liebe zulässt und uns damit mitnimmt in den Strudel ihrer unangenehmen Gesellschaft. Die extrem coole Gegend voller Urban Art lässt uns das allerdings verzeihen. Eintritt nur 5€. Geile Tanz-Mucke. Wir rocken.
Verena entzückt auf der Tanzfläche und findet schon bald jemanden, der sie für immer behalten möchte. Der dicke Kerl begeistert durch exzellente Körperbeherrschung, starke Oberarme und enormen Wanst. Als endlich die Sonne aufgeht, verlassen wir den Club. Axel timt perfekt und schreit im richtigen Moment „Ich hab ja heute Geburtstag“. Was sonst nur ein Heimgeh-Klassiker ist, entpuppt sich in Berlin als perfekter Aufriss für kontaktbegeisterte Bayern. Die gratulieren Aksel nicht nur herzlich sondern entwickeln auch eine eigene Konsumdynamik, die in einem Kasten Bier, Frühstück auf der sonnenbeschienenen Straßenkreuzung und einem knapp entkommenen Polizeigewahrsam endet. Einzig ein Froschfresser in der U-Bahn trübt die Heiterkeit und erhebt Einspruch gegen unsere Geburtstagshymne, verlangt ein „schönes Lied“. Um 9 Uhr sind wir dann trotzdem ins eigene Bett gefallen. Langsam entwickeln wir einen gewissen Ruf bei unseren Gastgebern. Wieder musste ich meinen Schlafsack teilen. Außerdem sollte Falafel unvergesslich bleiben. Was mich daran erinnert aus magentechnischen Gründen nur 3 Stunden geschlafen zu haben.
Sonntag:
Gehen mit Andreas und fader Verena (= weitere Couchsurfer/Friends des Host) zurück in den Osten. Getränkemarkt-Flashback für Verena, coole Videothek, Skatehalle, Berliner Mauer „East Side Gallery“ sind die Schlagwörter dieses Nachmittags. „La Bola“ wurde endlich auf der Berliner Mauer verewigt. Ein lang gehegter Traum. Dann hängen wir A&V ab und gehen in die Kulturbräuerei. Eine fette Schlange mit kleinen Mädels wartet dort schon ungeduldigst vor dem „Fight Club“..Doch wir sehen uns im Kino „Das jüngste Gewitter“ an. Danach essen im Monsieur Wuong. Ein Mädchentraum von Verena geht damit in Erfüllung. Ich weiß allerdings nicht mehr welcher. After that we went, no, not to the zoo, instead we went home, to take care of our cameras. (this was a little reference to Schleimi). Dann noch auf ein “Gute-Nacht-Bier”, weil ein “elektrolyieteschs“ Bier haben wir da nicht mehr gebraucht, in die Oranienstraße ins LUZIA. Coole Bar, eingerichtet wie ein Wohnzimmer vom Sperrmüll. Verena und ich beobachten dort 2 Stunden lang voller Genuss ein lesbisches Pärchen. Axel muss leider mit dem Blick aus dem Fenster vorliebe nehmen.

Danach katzenartiges Wandern durch die lebelose Stadt. Axel & Verena checken Emails um 3 Uhr in der Früh in irgendeinem Internetcafe. Diese Geschichte werden sie am nächsten Tag dann auch noch unserem Host und allen anderen Menschen, die nicht rechtzeitig fliehen können, lang und breit und ausführlich erzählen, so wie dieser Satz auch nicht mehr aufhören will. Ich glaube sie sind heute noch davon begeistert. Ich, engelsgleich und selbstlos wie immer, spendiere einem Typen einen Euro fürs „telefonieren“. Zum Glück, den später treffen wir ihn mit einem Bier in der Hand wieder an der Bushaltestelle. Vorher kritisiert, sind Axel & Verena nun froh über meine selbstlose und barmherzige Tat. Später lernen wir, dass ihm seine Frau den Ausweis genommen und vor die Tür gesetzt hat. Verena überredet ihn nach Hause zu fahren und sie ordentlich zu verdreschen. Heiß genug ist er ja jetzt durch das von mir spendierte Bier.
Montag:
An diesem Tag kommen wir endlich nach Kreuzberg. Dort frühstücken wir im Cafe Bergman. Unser Host geht mit uns noch „bergwandern“. Danach eilen Verena und ihre Bienchen zum Flughafen. Dort wollen wir unsere 7-Tage Tickets verschenken. Doch keiner dieser misstrauischen Spießer will sie annehmen.
Check-In - Take-Off - Landung - tränenreicher Abschied - Blutsbruderschaft.